Nikolausberger Musiktage & Musik in der Klosterkirche

Ein Bericht über die 4 Nikolausberger Musiktage von Heinrich-Otto Hannemann:

„Beziehungen“: Die 4. Nikolausberger Musiktage - eine Erfolgsbilanz  

Ein glückliches Gesamtkunstwerk - Aufregende Klangsprache - Hochkonzentrierte Interpretation - Einhelliger, begeisterter und anhaltender Applaus - außerordentliche Leistung - Große Intonationssicherheit und geschliffene Interpretation - Hoch emotional und intensiv - Der Schlussbeifall prasselte nur so - Lächelnd verließen die Zuhörerinnen und Zuhörer die Kirche in den Spätsommerabend in Nikolausberg .... So lauten Stimmen der Medienvertreter zu den 4. Nikolausberger Musiktagen vom 07. - 10. 09. 2018. Und die Reaktionen zahlreicher Konzertbesucher*innen klangen ähnlich begeistert. 

Die thematische Zusammenstellung der Konzerte rund um das Thema „Beziehungen“, ihre verschiedenen Formate sowie ihre Ausführung mit ganz unterschiedlichen Chören, Orchestern und Interpreten durch den Initiator der Nikolausberger Musiktage, Antonius Adamske, erwies sich als äußerst gelungen. Dies zeigte sich in vergleichsweise hohen Zuschauerzahlen und einer durchgängig positiven Atmosphäre an der Klosterkirche selbst. Nicht unerwähnt bleiben sollten auch die beiden Kinderworkshops zu Alter Musik in der Baumhaus-Kita und in der Janusz-Korczak-Schule.

Schwierige Kost stand am Anfang: Scholium 2, die deutsche Erstaufführung einer  Komposition von Dániel Péter Biró durch das Klangforum Heidelberg, forderte das Publikum durch eine ganz eigene Klang-Sprache im wahrsten Sinne des Wortes: Laute, Klänge, Geräusche, erzeugt von Stimmen und Instrumenten, verwoben sich unter der Leitung Walter Nußbaums zu einer Musik, die - so die Absicht des Komponisten - in der Form eines Kommentars Erkenntnis, Erfahrung und Gottesbezug des jüdischen Philosophen B. Spinoza thematisierte. Sie wurde reizvoll kontrastiert mit traditionellen Vertonungen des Kyrie durch Komponisten der Renaissance und des Barock. 

Samstag und Sonntag waren mit jeweils drei Veranstaltungen die „dichtesten“ Tage des kleinen Festivals. Die Choral-Schola unter Ozan Karagöz probte und der Göttinger Kammerchor unter der Leitung von Bernd Eberhardt präsentierte im Festkonzert „Lobgesänge“ in Vertonungen liturgischer Strukturelemente der Messe vom 16. bis 19. Jahrhundert, und - als Kontrast - drei Chansons von Debussy. Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei erklangen in eindrücklichen Interpretationen von Chor und Orgel. Das Publikum erlebte einen intensiven Nachmittag mit einem sehr präzise reagierenden Ensemble unter dem dynamischen Dirigat seines professionellen Leiters und Organisten. Und alles dieses unter der Vierung der Klosterkirche, in der die Musikengel den Lobgesang gewissermaßen über die Jahrhunderte hinweg symbolisieren. 

Leisere Töne bestimmten das für die Nikolausberger Musiktage auch schon traditionelle Nachtkonzert. Französische Musik des 17. und 18. Jahrhunderts thematisierte eher die „letzten Dinge“, Tod, Trauer und Erinnerung, aber auch Hoffnung und Erwartung, vorgetragen durch Interpreten an der Gambe (L. Frey), Theorbe/Barocklaute (A. Düker), Cembalo und einem  ungewöhnlichen Instrument, dem sog. „Regal“, einer Art historischer Mini-Orgel (A. Adamske). Die schwierige Klangwelt mittelalterlicher Liturgien eröffnete sich am Sonntag im Festgottesdienst, gesungen von der Choral-Schola und dem Ensemble i dodici. Von ganz anderer Art war die Musik im darauf folgenden Frühstückskonzert. Hier erklang Tafelmusik des 18. Jahrhunderts, präzise und beschwingt dargeboten von S. Erdmann und E. Hardegen-Düker am Cembalo und verschiedenen Flöten: Genuss als Mehrwert in doppelter Hinsicht. 

Zwei weitere Höhepunkte bildeten das Sonntagskonzert sowie das Abschlusskonzert am Montag Abend. In einem spannungsreichen Programm verband das Consortium vocale aus Berlin unter Antonius Adamske Religiosität und Erotik in Renaissance- und zeitgenössischer Musik zum Hohelied der Liebe im Sonntagskonzert. Begeisternd, emotional und modern wirkte die Interpretation sowohl der älteren Musik Orlando di Lassos als auch der zeitgenössischen Daniel-Lesurs, nah und direkt die Lautmalerei der Klangbilder im Hochzeitshymnus und anderen Partien. 

Im Abschlusskonzert waren das Göttinger Barockorchester und der Göttinger Knabenchor in ihrem Element. Lob, Ehre und Jubel prägten die Sätze auch dieses Konzertes, das den lange vergessenen Göttinger Stadtkantor an Johannis, Carl Friedrich Rudorff, obwohl zeitlich etwas später anzusetzen, neben Größen, wie J. S. Bach, G. Ph. Telemann, H. Purcell und M. Pignolet de Montéclair stellte. Beide Ensembles fanden zueinander: hier die klaren Stimmen des Knabenchores, der von seinem Leiter, Michael Krause, sorgfältig vorbereitet worden war, dort das leicht musizierende Barockorchester mit seinem Konzertmeister Henning Vater, und dazwischen der brilliante Sopran der Solistin Julia Kirchner. Schon zu Beginn hatte Rupprecht Drees an der Konzerttrompete Gelegenheit, den festlichen Charakter des Konzerts im Rahmen einer Bach-Kantate zu unterstreichen. Um die Aktualität Montéclairs zu erkennen - wenngleich in der Diktion des 18. Jahrhunderts - lohnt ein Blick in den Text „Die Rückkehr des Friedens“: Krieg und Waffen werden überwunden sein, die Hoffnung auf Frieden, fast eine Gewissheit, möge triumphieren. Julia Kirchner sang diese Partien der Solokantate souverän und nuanciert in der historischen Diktion der französischen Sprache des 18. Jahrhunderts, um sich zum Schluss unterstützt vom Göttinger Barockorchester mit Rupprecht Drees in der Bach-Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“ ein funkelndes Duett zu liefern. Sopran und Trompete waren sich in Glanz und Energie des Vortrags ebenbürtig. „Der Schlussbeifall prasselte nur so“, schreibt das Göttinger Tageblatt. 

Publikum und Kritiker stimmen darin überein, dass die 4. Nikolausberger Musiktage ein großer Erfolg waren. Diese Einschätzung kann das Organisationsteam mit bescheidenem Stolz ebenfalls teilen. Dank ergeht an die Kirchengemeinde Nikolausberg sowie die zahlreichen Helfer*innen für die Unterstützung.      

Die Kritiken in den Medien finden Sie hier: 

http://kulturbuero-goettingen.de/component/tags/tag/nikolausberger-musiktage

http://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Kultur/Regional/Eroeffnungskonzert-der-4.-Nikolausberger-Musiktage-in-Goettingen   

http://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Kultur/Regional/Abschlusskonzert-der-4.-Nikolausberge...  


Impressionen von Ulrich Hundertmark:

Impressionen von Andreas Düker:



Beziehungen

Zum vierten Mal jähren sich 2018 die Nikolausberger Musiktage, und zwar von Freitag, 7. September bis zum Montag, 10. September. Nach den gut besuchten Konzerten des letzten Jahres konnten wieder einmal renommierte Ensembles für die Nikolausberger Musiktage gewonnen werden. An erster Stelle ist hier die Schola Heidelberg unter Leitung von Prof. Walter Nußbaum zu nennen, welches sich als international preisgekröntes Ensemble vor allem mit Neuer Musik einen Namen gemacht hat. Daneben kommt auch das consortium vocale berlin, ein spannendes Ensemble aus der Bundeshauptstadt, für das Sonntagskonzert nach Göttingen. An allen vier Festivaltagen können die Besucher aus einer Vielzahl bemerkenswerter Akteure wählen, als Konzertbesucher, aber auch als aktiver Kursteilnehmer – das ist eine Neuigkeit! So gibt der türkisch-schweizerische Mittelalterexperte Ozan Karagöz eine Einführung in den gregorianischen Gesang. Wie in den letzten Jahren sind auch noch einige Tickets für das beliebte Frühstückskonzert zu erlangen. Karten zu allen Veranstaltungen gibt es unter www.reservix.de sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen. Auch das attraktive Wochenendticket kann hier erworben werden.

Die Nikolausberger Musiktage polarisieren durch ihre Themenwahl. Das von der ev.-luth. Kirchengemeinde Nikolausberg durchgeführte Festival widmet sich in einjährigem Abstand schwierigen Themen, die in Veranstaltungen mit sehr unterschiedlichem Ansatz entfaltet werden. Seit der Gründung 2015 konnten bereits namhafte Künstler wie der Norddeutsche Figuralchor unter Leitung von Jörg Straube, der Landesjugendchor Niedersachsen unter Leitung von Florian Benfer oder das Collegium Vocale Hannover unter Leitung von Florian Lohmann für eine Teilnahme gewonnen werden. Auch gefragte Solisten wie der Stummfilmorganist Otto Maria Krämer gastierten in der Klosterkirche. Initiator des Festivals ist der ehemalige Organist der Klosterkirche Antonius Adamske. Gemeinsam mit einem Team aus Mitgliedern der Gemeindeleitung, Musikern und Interessierten werden Themenkonzepte erarbeitet und die Ausrichtung des Festivals bestimmt.
Mit Ihrer geschätzten Mithilfe, als Mitorganisator, Spender für den Förderkreis Kirchenmusik oder einfach als Konzertbesucher können die Nikolausberger Musiktage auch für die nächsten Jahre Planungssicherheit gewinnen und Nikolausberg mit hochwertigen Veranstaltungen bereichern.





















Inspirationen - Die dritten Nikolausberger Musiktage 2017

Die Nikolausberger Musiktage gingen 2017 in ihr drittes Jahr. Zum Thema hatte sich das noch junge Festival den „Geist“, lat. „spiritus“ gewählt.

"Inspirationen sind es, die uns bewegen, die uns begeistern und uns verbinden. Belebend und geistvoll ist auch die Musik, denn sie ist eine der Gestalten, in der der schöpferische Geist wirkt. Durch Melodie, Texte und Rhythmus erklingt die Kraft und motiviert. Sie verbindet Menschen und hält sie zusammen."

Das Festivalprogramm war wie in den letzten Jahren facettenreich und hochwertig – in die Klosterkirche Nikolausberg konnten wieder einmal eine Reihe von interessanten Künstlern geladen werden.

Programm:

Freitag, 8. September 2017

19 Uhr Einführungsvortrag GEM

(Prof. Dr. Jochen Arnold, Kirchenmusiker und

Theologe aus dem Michaeliskloster Hildesheim)

20 Uhr Eröffnungskonzert KK

(Chor- und Orgelwerke zum Heiligen Geist

Antonius Adamske, Orgel/Leitung

danach Sektempfang zur Eröffnung der Musiktage)

Samstag, 9. September 2017

10 Uhr Kinderwerkstatt KK/GEM

12 Uhr öffentliche Orgelführung KK

17 Uhr Festkonzert KK

(Gospelchor Blankenese/Hamburg

Gregor du Buclet, Leitung)

21 Uhr Nachtkonzert KK/GEM

(In Kooperation mit Slow Food Göttingen und der

Gesellschaft für chr.-jüd. Zusammenarbeit

Johanna von Bibra - Sopran)

Sonntag, 10. September 2017

10 Uhr Festgottesdienst KK

(mit i dodici, dem PetriChor-Weende sowie dem

Nikomonte-Chor und barocken Bläsern sowie Flöten

Predigt: Pastor Gert Liebenehm)

11:30 Uhr Frühstückskonzert GEM

(Ensemble Fairy Queen)

19:30 Uhr Schwarz-Weiß-Filmvorführung „Faust“ KK

(Otto Maria Krämer, Orgel-Improvisation)

Montag, 11. September 2017

19:30 Uhr Abschlusskonzert KK

(Göttinger Barockorchester, Solist: Rupprecht Drees)Die vierten Nikolausberger Musiktage im September 2018 sind in Planung!

Die vierten Nikolausberger Musiktage im September 2018 sind in Planung!

Dokument: Faltblatt_3NM.pdf